SVEN fiedler

English________

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsch_______

Sven Fiedler was born in Rottweil in 1967 and since his birth has suffered from Usher syndrome, a congenital disorder which made him deaf. He also suffers from irreversible retinal degeneration - in 2010 he became almost completely blind. From that point on he could no longer practice as a professional draftsmen.

Sven:“Many, Many years ago when I was still partially sighted, I watched a programme on TV about the Camino de Santiago (St James’s trail). It was fascinating to me, I had to experience it. But, due to my deafness, I didn’t really understand where the pilgrimage was. The scenery, the weather, the animals I saw and the language they spoke were not European to my mind. I thought they were on the other side of the earth.. in America, Canada maybe even further. It was a dream I had to forget, it was too far!

After that my eyesight got worse, I was blind by the end of 2010. I went to Hanover for rehabilitation which lasted 14 months. The leader of the centre was called Mr Jacobs, that reminded me of my dream* so I told him about it. It was a dream I’d left in the past as it was impossible for me to go to the America. Mr Jacobs told me that it wasn’t that far, it was here in Europe, in Spain. I was speechless..  But it was still just a dream; I am Blind and Deaf... just a silly dream!

At the end of 2014 I was on a weeklong trip to the Black Forrest with other deafblind people. As we walked, I remembered the Pilgrimage in Spain and shared my dream with my assistant Almuth. Straightaway she said to me “I would love to go with you!” It gave me chicken-skin. I didn’t know what to do. Was it really possible? At Christmas, I received my first audio book as a gift. I can hear a little with special equipment, I wouldn’t have bought one for myself as it’s too exhausting,. It was the audio book of Hape Kerkling “I‘m Off Then: Losing and Finding Myself on the Camino De Santiago”. It was incredible; I listened to it 7 times in a row. I was completely done by the end, concentrating on every word, I was there with him. I searched the Internet for the Pilgrimage; I wanted to know everything about the mountain paths and the length of the walk.
Since February 2015 Almuth and I have been planning for the biggest project of my life. 7 of my deafblind assistants will support me, before in training and on the trail. All 7 won’t be there all the time but at different times on the 6 week trek.

One assistant will drive the car, carry the luggage, supplies and sort out the accommodation. Two assistants will walk with me from early morning until late at night.  In Mid April we’ll travel by car to St. Jean Pied du Port in France. That’s where it all starts. We plan to be in Santiago de Compostela 42 days later. If this is no longer just a dream but a reality then others must be involved, it must be bigger than me. I want to get more deafblind people to benefit somehow. Perhaps this is a lonely demonstration but I hope it’s interesting to the public, maybe I can draw attention to being deaf and blind, and then my dream will truly be real”
*The Pilgrimage is called “Jakobsweg” (Jacobs’s way) in German.

Sven Fiedler wurde 1967 in Rottweil geboren und leidet seit seiner Geburt am Usher-Syndrom, einer angeborenen Schwerhörigkeit in Kombination mit einer Netzhautdegeneration, die unaufhaltsam fortschritt - bis zu seiner völligen Erblindung im Jahr 2010. Seitdem kann er seinen gelernten Beruf - technischer Zeichner nicht mehr ausüben.

Sven:„Vor vielen, vielen Jahren als ich „nur“ sehbehindert war und Sendungen im Fernseher noch gut verfolgen konnte, sah ich eine Dokumentation über den Jakobsweg. Es war so interessant für mich und in mir keimte der Wunsch, mich auch auf den Jakobsweg aufzumachen. Allerdings habe ich aufgrund meiner Schwerhörigkeit nicht verstanden, wo dieser Jakobsweg ist. Die Landschaften, das Wetter, die Tiere, die ich sah und die englische Sprache im Hintergrund waren in meiner Vorstellung nicht mit Europa verknüpft. Ich stellte mir vor, dass er irgendwo in den USA oder in Kanada wäre. Somit blieb es ein Traum, den ich mir niemals erfüllen könnte und ist in Vergessenheit geraten.

Nachdem sich mein Sehvermögen im Jahr 2010 sehr schnell verschlechterte und ich Ende 2010 vollends erblindete, ging ich in das Taubblindenwerk nach Hannover und machte dort eine soziale Rehabilitation, die 14 Monate dauerte. Der Leiter dieser Rehamaßnahme hieß Herr Jacobs. Durch seinen Namen erinnerte ich mich wieder an meinen längst vergessenen Traum und erzählte ihm davon. Ich sagte auch, dass ich mir diesen Traum nie werde erfüllen können, weil dieser Weg in den USA oder in Kanada ist. Herr Jacobs erwiderte, dass der Jakobsweg nicht in Amerika ist, sondern hier in Europa, in Spanien. Ich war total sprachlos. Trotzdem blieb es nur Traum, den ich nicht in die Tat umsetzen kann, denn jetzt bin ich TAUBBLIND! Blind und hochgradig schwerhörig ... träum weiter!

Ende 2014 war ich mit anderen taubblinden Menschen bei einer einwöchigen Freizeit im Schwarzwald. Dort habe ich mich mit einem taubblinden Mann auch über Jakobsweg unterhalten. Kurz vor Weihnachten erzählte ich Almuth bei Kaffee und Kuchen von meinem Traum, auf dem Jakobsweg zu pilgern. Sie sagte zu mir: „Ich würde dich sehr gerne begleiten“. Wow, Gänsehautfeeling! Ich wusste gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Darauf war ich nicht gefasst und konnte es auch nicht einordnen. War das möglich? Zu Weihnachten bekam ich von ihr mein erstes Hörbuch geschenkt. Hören ist anstrengend und ich selbst hätte mir nie eins gekauft. Es war das Hörbuch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“. Dieses Hörbuch hatte ich dann zum ersten mal angehört. Es war nicht anstrengend, es war der Hammer! Ich habe es gleich sieben mal hintereinander angehört - ach was,

ich habe die Ohren gespitzt, jedem Wort gelauscht, ich habe teilgenommen, ich bin mit Hape auf diesem Weg gewesen. Im Internet forschte ich nach dem Jakobsweg. Ich wollte alles erfahren über die Wege, die Berge und die Dauer des Wanderns.

Seit Februar 2015 sind Almuth und ich mit der Planung beschäftigt für das größte Projekt in meinem Leben: der Jakopbsweg. Sieben Taubblindenassistenten werden mich unterstützen und begleiten, sowohl während der Vorbereitungsphase als auch auf dem Weg, meinem Camino. Diese sieben kommen nicht alle gleichzeitig mit, sondern über den Zeitraum von sechs Wochen verteilt. Jeweils zwei Assistenten begleiten mich von frühmorgens bis spätabends. Mitte April 2017 wollen wir starten und zuerst mit dem Auto bis St. Jean Pied du Port in Frankreich fahren. Dort beginnt die Pilgerroute des Jakobswegs. Wir rechnen mit 42 Tagen Wanderzeit bis nach Santiago de Compestela.

Wenn dies nicht länger ein Traum ist, sondern ein Wunsch, der wahr wird, dann will ich auch andere daran teilhaben lassen. Hier denke ich vor allem an taubblinde Menschen. Vielleicht wird dies eine stille Demonstration, vielleicht gibt es ein öffentliches Interesse, vielleicht kann ich auf die Behinderung „Taubblindheit“ aufmerksam machen, dann wird mein Traum auf alle Fälle wahr.“